Schulhaus Gestadeck Ersatzbaute Pavillon - Nachtragskredit in Folge ungenügender Tragfähigkeit des Baugrunds und der Entsorgung von belastetem Boden- und Aushubmaterial

15. November 2022
Die im Rahmen des Ersatzbaus Pavillon beim Schulhaus Gestadeck durchgeführten geologischen Untersuchungen ergaben, dass sich beim Baugrund – entgegen dem bisherigen Kenntnisstand – um eine rund 100 Jahre alte künstliche Auffüllung handelt. Damit ist die Tragfähigkeit für das geplante Gebäude ungenügend. Der Oberboden des Baugrunds ist zudem belastet. Das bei den Abklärungen beigezogene Amt für Umweltschutz und Energie verfügte per 3. November 2022 ein Nutzungsverbot für die Spielwiese. Diese wurde bereits vorgängig abgesperrt. Eine Aufhebung der Beschränkung erfordert die Sanierung des Baugrunds. Die zusätzlichen Kosten zur Stabilisierung des Baugrunds und Entsorgung von belastetem Boden- und Aushubmaterial sowie Vorbereitung eines Fernwärmeanschlusses und der Teuerung belaufen sich auf 1'949'000.- Franken (+/- 10%). Die Erstellung des Pavillons verzögert sich um ein Schuljahr. Der Stadtrat sieht das Bauprojekt trotz der hohen Zusatzkosten weiterhin als wichtigen Pfeiler seiner Schulraumstrategie. Deshalb unterbreitet er dem Einwohnerrat einen entsprechenden Nachtragskredit.

Am 26.09.2021 hat die Liestaler Stimmbevölkerung den Bruttokredit «Schulhaus Gestadeck Ersatzbaute Pavillon» in der Höhe von 4.4 Mio. Franken mit 82.8% JA-Stimmen genehmigt. Im April 2022 erfolgte die Baueingabe. Im Rahmen der Baueingabe wurden die notwendigen Baugrunduntersuchungen durchgeführt. 

Dabei wurde festgestellt, dass der Baugrund nicht stabil genug ist, um das vorliegende Projekt zu realisieren und der Baugrund belastet ist. 

Die Stadt Liestal hatte in der Folge weitere analytische Untersuchungen des Bodens angeordnet und umgehend das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) des Kantons Basel-Landschaft beigezogen. 

Im Oberboden der Spielwiese des Primarschulhauses wurden Höchstwerte von 120 Milligramm PAK pro Kilogramm (mg/kg) Boden gemessen. Die Abkürzung PAK steht dabei für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. Es handelt sich bei PAK um eine Stoffgruppe von mehreren hundert organischen Verbindungen, von denen viele als Schadstoffe eingestuft sind.

Für die Beurteilung der Belastung des Oberbodens wurde der Sanierungswert für Kinderspielplätze von 100 mg/kg PAK gemäss der Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo, SR 814.12) herangezogen. Das AUE hat am 3. November 2022 mittels Verfügung ein Nutzungsverbot erlassen, solange bis keine Überschreitung des Sanierungswerts mehr vorliegt. Die Stadt Liestal hatte bereits nach Vorliegen der ersten Messergebnisse eine Einzäunung der Spielwiese veranlasst, weshalb diese Auflage bereits proaktiv umgesetzt wurde. 

Grundlage für die Aufhebung des Nutzungsverbots ist die Reduktion der Bodenbelastung. Konkret bedeutet dies, dass der belastete Oberboden abgetragen und fachgerecht entsorgt werden muss. Gleiches gilt für das baubedingt anfallende Aushubmaterial. Die Bäume sowie die Vegetation im Bereich des Schulhauses sind gesund und schützenswert. Auch aus diesem Grund sollen die Arbeiten mit viel Sorgfalt ausgeführt werden.

Um die Tragfähigkeit des Baugrunds sicherzustellen müssen nebst einer Verstärkung des Fundaments neu 33 zusätzliche Pfählungen von bis zu 17 Metern in den Untergrund eingelassen werden. Dadurch wird erreicht, dass das neue Gebäude auf einem stabilen Untergrund abgestützt wird.

Wie Recherchen der Stadt Liestal ergaben, lag im 19. Jahrhundert zwischen dem heutigen Kasernenareal und Gestadeck Schulhaus ein kleines Tal mit einem Flusslauf. Die Hangkante verlief entlang des Hauptbaus des Gestadeck Schulhauses. Beim heutigen Gebäude des Werkhofs- und der Wasserversorgung Liestal stand eine Badeanstalt. Wie der Basellandschaftlichen Zeitung vom 12. Januar 1906 entnommen werden kann, wurde der Bevölkerung Liestals durch den damaligen Gemeinderat erlaubt, den Bauschutt in diesem Perimeter abzulagern. Es wird daher davon ausgegangen, dass das Tal von der Kaserne bis zur Badeanstalt deshalb aufgeschüttet wurde und so die heutige Topographie entstand.

Diese neuen Erkenntnisse widersprechen dem bei der Ausarbeitung der Abstimmungsvorlage vorliegenden Kenntnisstand sowie den Planungsgrundlagen der Stadt Liestal. Gemäss der geologischen Karte handelt es sich um pleistozänen Schotter der Ergolztal-Formation. Im Teilzonenplan Zentrum wird die heutige Hangkante beim Gestadeck-Schulhaus als «prägende Geländekante» eingestuft, weshalb angenommen werden konnte, dass es sich um gewachsenes Terrain handelte. Auch ist die Bauparzelle des Gestadeck Schulhauses nicht im Kataster der belasteten Standorte (KbS) eingetragen. 

Bei der Erarbeitung der Massnahmen zur Tragfähigkeit und Sanierung wurde auch die Energieversorgung des Schulhauses noch einmal überprüft. Dabei kam man zum Schluss, dass die Vorbereitung eines Fernwärmeanschlusses im Rahmen der Umgebungsarbeiten angesichts der internationalen Lage und der steigenden Energiepreise ökologisch wie auch ökonomisch sinnvoll ist.

Die obengenannten Massnahmen sowie die in der Zwischenzeit aufgelaufene Teuerung führen zu deutlich höheren Kosten als in der Abstimmungsvorlage aufgezeigt. Die Mehrkosten belaufen sich auf CHF 1'949'000.- (+/-10%). 

Die Erstellung des Ersatzpavillons leistet für den Stadtrat trotz dieser Mehrkosten weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Realisierung der Schulraumstrategie und Sicherstellung des benötigten Schulraums. Daher legt der Stadtrat dem Einwohnerrat einen entsprechenden Nachtragskredit zur Genehmigung vor. Aufgrund der Realisierung der Stabilisierungs- und Entsorgungsmassnahmen ist mit einer Bauverzögerung von einem Schuljahr zu rechnen. Die für die Bauphase bereitgestellten Schulräume an der Rosenstrasse stehen der Schule seit Sommer 2022 für sechs Jahre uneingeschränkt zur Verfügung, weshalb der benötigte Schulraum trotzdem sichergestellt ist.